Sind schon da. Wie häufig habe ich dieses Kinderlied gesungen. Und die ganze Vogelschar. Tatsächlich kannte ich schon als Kind wahrscheinlich mehr Schokoriegel und Autotypen (und ich interessiere mich nicht für Autos) als ich Vögel zuordnen konnte. Kurz vor der Reise entlang der Elbe habe ich mir eine App zum Bestimmen von Vogelstimmen auf mein Handy geladen. Es gibt die Kategorien sehr sicher, sicher und vage Vermutung. Als sehr sicher habe ich bisher gehört: Pirol, Mönchsgrasmuecke, Stieglitz, Rotmilan, Goldammer, Mehlschwalbe, Mauersegler, Buntspecht. Für den Storch war die App nicht nötig. Immerhin.

Ich erinnere mich daran in einer amerikanischen Zeitung einen Artikel über Detroit gelesen zu haben in dem der Begriff „ruinporn“ verwendet wurde, um eine allzu fokussierte Darstellung von zeitgenössischen verfallenen oder leerstehenden Gebäuden zu kritisieren. Ich fand das sehr gut, weil es nicht darum gehen kann sich am Verfall zu berauschen (schließlich gibt es ja auch eine soziale Dimension dieser Prozesse). Und doch fällt auf, wenn man an einigen Abschnitten der Elbe unterwegs ist, wie verlassen ganze Regionen wirken. Das ist keine Romantik, sondern sehr bedenklich. So sind ganze Regionen nicht mehr mit der Bahn zu erreichen.

Abends in Dessau. Es sind kaum Menschen auf der Straße, trotz des schönen Wetters. Ich spreche eine ältere Dame an, die abwiegelt mit den Worten :“Es gibt so viele Konflikte und Ärgernisse in ihrem Leben. Sie will jetzt nicht mehr ihr Denken ändern.“ Wir kommen aber ins Gespräch über dies und das, Bauhaus, alte Kunst, Dessau und Roßlau. Am Ende nimmt sie das Kuvert mit den Worten :“Dann schau ich nochmal, was ich ändern kann in meinem Denken.“ Mir wird selbst klar, daß ich Begriffe im Kopf habe, die ich wie ein Passwort für die Wirklichkeit benutze.

Einst der Inbegriff von Innovation einer ganzen Region. Jetzt kämpft die sächsische Dampfschiffahrt mit dem Niedrigwasser der Elbe. Die Schiffe können kaum noch wenden weil der Fluss zu schmal wird. Und Werften entlang der Elbe können keine größeren Schiffe mehr bauen, weil diese nicht zu Wasser gelassen werden können.

Am Ende des zweiten Weltkrieges sprengte die deutsche Wehrmacht die Brücke in Torgau, um die alliierten Truppen aufzuhalten. In Torgau kam es dann zur berühmten Begegnung von russischen und amerikanischen Soldaten. Eigenartiger Weise wurde die unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaute Brücke 1994 in einer Nacht und Nebelaktion wieder gesprengt.





