Wenn ich länger auf die Elbe schaue, kommt es mir vor, als habe der Fluß eine eigene Weisheit. Das klingt ungewohnt, aber ich kann es nicht anders beschreiben.

Monat: Juli 2020
Am Ende des zweiten Weltkrieges sprengte die deutsche Wehrmacht die Brücke in Torgau, um die alliierten Truppen aufzuhalten. In Torgau kam es dann zur berühmten Begegnung von russischen und amerikanischen Soldaten. Eigenartiger Weise wurde die unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaute Brücke 1994 in einer Nacht und Nebelaktion wieder gesprengt.
Um 17.30 komme ich ins Stadt Museum Meissen. Das Personal beginnt die Objekte schon abzudecken, der Feierabend steht kurz bevor. Auf meine Frage, ob ich noch rein kann ernte ich eine Tirade von Verwünschungen, die ich zum Glück nicht verstehe. Die halbe Stunde, die das Museum noch offen hat darf ich mich umschauen. Das schlechte Gewissen und ein Zeitdruck beim Schauen verschwinden nicht. Aber es lohnt sich. Vor allem die Stadt Modelle mit den halben Brücken sind inspirierend. So könnte doch ein Diorama mit Modellen der Entwürfe aussehen.

Sobald ich die pittoreske Altstadt verlasse begegnet mir sehr viel Leerstand. Auf dem Weg zum copyshop hinterm Bahnhof komme ich an einer Kneipe vorbei. Die Sonne scheint hell und durch den großen Unterschied von Innnen und Außen-Raum kann ich kaum erkennen wer oder wieviele in der Kneipe sitzen. Ich gehe rein und stelle mein Projekt vor: mein Name ist ich bin Künstler aus Berlin. Ich denke das wars und will eigentlich sofort wieder umdrehen. Ein älterer Herr dreht sich um und fragt, ob sie zeichnen sollen? Auf meine Bestätigung hin beginnen alle zu lachen. Sie kündigen an ihren Firmen Stempel auf das Kuvert zu machen und erwarten bei der Eröffnung Freibier. Sammeltaxi. Ich hoffe auf Entwürfe zur Brücke und ein Wiedersehen bei der Ausstellung.

Vor dem rewe sitzt ein junger Mann auf dem Boden. Ich spreche ihn an und frage ihn ob er Lust hat einen Entwurf für eine utopische Brücke zu machen. Ich zeige ihm das Kuvert mit den beiden Zeichenbögen. Die Kommunikation ist vom Strassen Lärm unterbrochen, ich bin mir nicht sicher ob er mich verstanden hat. Er rät mir, zwei Bilder durch nähen miteinander zu verbinden. Dann zeigt er mir ein Bild, dass er in seinem Rucksack hat: eine mit Bleistift gezeichnete Schildkröte, die auf ein DIN a4 Papier genäht ist. Darunter steht I love you. Ein Geschenk seiner Freundin. Das Kuvert nimmt er nicht. Aber er empfiehlt mir erneut Bilder durch nähen zu verbinden.






